[Tag 3: Druckerei]

Heute war ich zum ersten Mal direkt in der Produktion. ZunĂ€chst habe ich K. dabei zugesehen, wie sie eine Zwei-Farben-Offset-Druckmaschine fĂŒr das Bedrucken von BriefumschlĂ€gen eingestellt hat. Dieses Einstellen dauert tatsĂ€chlich relativ lange. Dazu werden teilweise bis zu 500 Blatt mehr an Material bestellt, um mehrere Probedrucke zu machen, bis der Farbton zu 100% mit der Vorlage ĂŒbereinstimmt. Die Menge der Farbe wird mit den Farbschiebern geregelt.

Danach hat mir A. viel zu der Entwicklung in Druckereien erzĂ€hlt. Es war verblĂŒffend zu hören, dass frĂŒher alle Aufgaben, wie Gestaltung und Druck bei der Druckerei lagen, wĂ€hrend heute mindestens 1/3 der Aufgaben an Agenturen geht und die Druckerei lediglich nur fĂŒr die Druckvorbereitung und den reinen Druck zustĂ€ndig ist.

SpĂ€ter hatte ich dann die Möglichkeit, J. ĂŒber die Schulter zu schauen. Er hatte einen Kundenauftrag, bei dem ein Briefbogen einfarbig bedruckt werden sollte.
Sehr interessant dabei fand ich, dass bei diesem Auftrag der Farbauftrag mehrfach erhöht werden musste, um den gewĂŒnschten Farbton zu erreichen. Je mehr Farbe gebraucht wurde, desto mehr Wasser muss hinzugegeben werden. J. hat mir dann gezeigt, wie man mit dem FadenzĂ€hler sehen kann, dass die sehr dĂŒnne Schrift des Logos, minimal zugelaufen ist. Einfach weil der Farbauftrag so unglaublich hoch sein sollte.

Auch eine völlig neue Erkenntnis war die Tatsache, dass wĂ€hrend des Drucks mit einem DruckbestĂ€ubungspuder zwischen die einzelnen Seiten gesprĂŒht wird, damit diese durch die noch feuchte Farbe nicht zusammenkleben.

Mein persönliches Highlight heute war ein GesprÀch mit A.
Bei meiner Aufgabe gestern in der Druckvorstufe habe ich mich wohl doch um einige Millimeter (!) vertan. Was so minimal war, dass man es im Probedruck nicht mal sehen konnte. Beim Offset-Probedruck ist es K. dann aber sofort aufgefallen.
Also musste das gesamte Dokument neu gesetzt werden. Ich habe das Ganze zunĂ€chst etwas heruntergespielt „Was machen schon die wenigen Millimeter Unterschied, das fĂ€llt doch spĂ€ter niemandem auf…“. Daraufhin nahm mich A. zur Seite und wir gingen zu einem Tisch, ganz hinten am Ende der Druckerei. Einem Schließtisch mit BleisĂ€tzen. Dort erklĂ€rte er mir, dass er frĂŒher als Schriftsetzer jeden Abstand ganz genau beachten musste und die Maschine auch teilweise gar nicht richtig drucken konnte, wenn die AbstĂ€nde nicht passten, weil einzelne Buchstaben wahrend des Druckes einfach herausfielen. Außerdem zeigte er mir einen gesetzten Bleisatz einer Adresse und die vielen unterschiedlichen Bleiletter. Um eine A4 Seite zu setzen, wurde damals lediglich 1 Stunde benötigt.

K. zeigte mir anhand einer Visitenkarte noch einmal, dass weniger als 1mm Unterschied im Druck und vor allem beim Zuschneiden der Druckbögen gravierende Folgen haben kann. Da sich das Ganze mit jedem Schnitt ein kleines bisschen mehr verzieht.

Witzig war, dass ich heute zum ersten Mal ein Spektralphotometer “in live” gesehen habe. Die Funktionsweise (misst die Dichte der Farbe auf dem Bedruckstoff) war in meiner AbschlussprĂŒfung tatsĂ€chlich prĂŒfungsrelevant. Das Wissen dazu hatte ich mir regelrecht “eingeprĂŒgelt”. Das GerĂ€t nun einmal wirklich in Aktion zu sehen und es WIRKLICH zu verstehen, war ziemlich klasse.

Auch neu kennengelernt habe ich heute die Schneidemaschine. Diese funktioniert aus SicherheitsgrĂŒnden nur mit zwei HĂ€nden. Es gibt eine Lichtschranke und das Messer schneidet nur, wenn dieser Bereich frei ist. Die Tatsache, dass der Pressbalken mit 3 Tonnen alle Luft zwischen den einzelnen Bögen wegdrĂŒckt, war doch ĂŒberraschend.

Insgesamt war auch dieser Tag sehr lehrreich.
Morgen gibt es sogar einen Auftrag bei dem vierfarbig gedruckt wird, darauf bin ich sehr gespannt. Denn je mehr Farben, desto mehr gibt es auch, was vorher eingestellt und kontrolliert werden muss.

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